Unsere kleine Honigschule

Die Landschaft erschmecken

Mit unserem Projekt Honigkeller möchten wir Ihnen die unterschiedlichen, in Berlin/Brandenburg tätigen Imker*Innen vorstellen, deren Produkte Sie im Shop selbst kaufen und erschmecken dürfen. Doch vielleicht sollten wir eher sagen: Deren Landschaften und Bewirtschaftungsgebiete Sie nun erschmecken dürfen. Denn jeder Honig steht für seinen speziellen Standort. Und nicht nur schmecken unterschiedliche Honigsorten je nach Herkunftsort unterschiedlich, sondern auch die gleiche Honigsorte offenbart in ihrem individuellen Geschmacksprofil unmittelbar die Einflüsse aus Jahrgang und Wetterbedingungen. Somit ist Honig ein ganz direkter, spannender Weg, die besondere Speisekultur unserer Region geschmacklich neu zu erkunden. 

Wie bei so vielen Dingen wächst auch beim Honig der Genuss mit dem Wissen darüber – denken Sie nur an Wein! Deswegen hier unsere kleine Honigschule, die Ihnen ein ganz besonderes Produkt näher bringen möchte.

Ein echtes Naturprodukt

In Anatolien wusste man bereits vor 7.000 Jahren, dass man Honig am besten direkt von der Imker*In kauft. Dort liegen nämlich die Ursprünge der Hausbienenhaltung – wobei Honig selbst schon seit mindestens 8-10.000 Jahren von Menschen verzehrt wird. Dies belegen  zumindest Höhlenmalereien aus der spanischen Provinz Valencia, welche Honigjäger*Innen auf der Suche nach der süßen Leckerei abbilden. 

Auch heute hat der Honig nichts an Faszination eingebüßt. Bienen vollbringen im Schwarm eine beeindruckende Leistung. Nicht nur koordinieren sich tausende Angehörige eines Schwarms ganz ohne Worte, bauen filigrane Wabenstrukturen und sammeln fleißig Pollen, sondern sind als Hauptbestäuberinnen von Wild- und Nutzpflanzen ein ganz essenzieller Teil regionaler Artenvielfalt. 

Was ist bei so viel Bienenfleiß die Arbeit der Imker*In?

Nun, der/die Imker*In gibt dem wunderbaren Werke der Natur gewissermaßen Form: Imker*Innen, die auf eine naturnahe, schonende Bewirtschaftung Wert legen, suchen den idealen Standort für ihre Völker und tragen Sorge für deren Gesundheit und Wohlbefinden möglichst ohne schädliche Interventionen über die Gabe von Medikamenten und Antibiotika. Ebenso kümmern sie sich um eine gute Überwinterung in unseren Gefilden. Und was das Produkt angeht, wird ein*e Imker*In, die sehr naturnah arbeitet, den Honig sehr schonend verarbeiten und so wichtige Enzyme, Propolis und auch Pollen im Endprodukt erhalten – was ebenso gut für Ihre Gesundheit ist.

Die Preisfrage

Würden wir Bienen den gesetzlichen Mindestlohn zahlen, wäre 1 Kilo Honig circa eine halbe Millionen wert – und nicht €1,20 wie im jetzigen Welthandelsdurchschnitt. 

Keine Frage, wer direkt bei einer nachhaltig produzierenden, naturnah arbeitenden Imker*In kauft, legt ein paar Euro mehr auf den Tisch – schließlich kostet sorgsame Handarbeit stets mehr als industrielle Massenware.

Letzteres gibt es tatsächlich auch beim Honig, eigentlich dem Naturprodukt schlechthin.  Um niedrige Preise für den Supermarkt realisieren zu können, wird billigst eingekauft und verschiedene Sorten aus unterschiedlichsten Gebieten wild gemischt. Dass dabei nicht auf die Sicherung der Biodiversität und die Stärkung regionaler Wirtschaftsstrukturen u.ä. geachtet wird, liegt bei derartigen Dumping-Preisen natürlich auf der Hand. Landschaften lassen sich so kaum erschmecken – und ebenso wenig erhalten. Schließlich bleibt bei dieser Art der Bewirtschaftung nicht zuletzt auch das Wohl der Bienen auf der Strecke: Wie auch in der industriellen Fleischproduktion wird maximaler Ertrag über Medikamente und ähnliches erreicht, die dann auch den Weg in Ihren Körper finden. 

Neben industriellem Honig gibt es zudem noch falschen Honig, meist aus Asien (China). Dabei handelt es sich um Honig, der mit Reissirup gestreckt wird, was im Labor nur schwer nachzuweisen ist. Zu diesem Thema ist die Netflix Serie „Rotten“ sehr zu empfehlen: Gleich in der ersten Folge geht’s um Honigfälschung.

Im Fazit

Für lokalen Honig naturnaher Herstellung lohnt es sich, den ein oder anderen Euro mehr in die Hand zu nehmen.

Schließlich essen wir Deutschen davon ein ganzes Kilo pro Jahr.

Das Geld geht dabei nicht nur in Ihren Genuss und Ihre unmittelbare Beziehung zu der Landschaft um Sie herum, sondern unterstützt ebenso die lokale Wirtschaft, die Artenvielfalt in der Region und wirkt nicht zuletzt auch positiv auf Ihre Gesundheit. Also, machen Sie’s wie in Anatolien anno damals und holen Sie sich Ihren Honig aus verantwortlicher, lokaler Herstellung. Wie gut, dass wir direkt an der Quelle sitzen!